Tag 90-96: Es weihnachtet sehr…

Ein spontaner Heimat-Besuch zu Katharina und ein Probentag mit Man(n) Singt! am Sonntag bestimmten das Wochenende. Doch es muss nochmals zurück gehen in die neue englische Heimat, denn: CBSO Christmas Concerts stehen an. Ein weiterer Höhepunkt des Jahresendes. Mit etwa 350 Mitwirkenden Sängern auf der Bühne und dem vollbesetzten City of Birmingham Symphony Orchestra (CBSO) wegen wir die Symphony Hall zum jubilieren bringen – unter der Leitung von Simon Halsey.

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Und dann heißt es auch schon Koffer packen, denn die Jubiläumskonzerte „10 Jahre Man(n)Singt!“ stehen an. Ich freue mich sehr auf das Singen mit den Jungs in Schifferstadt und Wallhalben und eile inmitten der Nacht zum Flughafen.

Entwurf Plakat Jubiläum 2017

Frohe Weihnachten und bis im neuen Jahr!

Tag 83-89: Advent, Advent, …

Die Tage werden etwas ruhiger – endlich… Uni-Veranstaltungen gibt es keine mehr, nur noch zahlreiche Weihnachtskonzerte – und das ist ein wahres Erlebnis hier auf der Insel.

Die Engländer feiern Weihnachten insgesamt etwas mehr als wir es in der Heimat gewohnt sind und neben den zahlreichen großen Veranstaltung der Kathedralen werden auch die Konzertsäle gefüllt mit durchaus „spaßiger“ Weihnachtsmusik.

Ein wahres Highlight meiner diesjährigen Vorweihnachtszeit war sicherlich das Christmas Carols concert in St. Pauls – London. In einem 75 minütigen Abendgottesdienst im Stile der „9 lessons and carols“ wurde mit großem Orchester, St. Pauls Cathedral Choir und Orgel ein echtes Weihnachts-Feuerwerk gezündet.

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Da Simon erfahren hatte, dass ich in London bin, hat er mich auch gleich noch eingeladen zu einer Orchesterprobe mit Sir Simon Rattle; das war höchst inspirierend. Mit dem London Symphony Orchestra und dem LSO Chorus (unter der Leitung von Simon Halsey) konnte ich der ersten Tutti-Probe für ein Bernstein-Musical lauschen. Sehr spannend zu sehen, wie vielseitig und unkompliziert Rattle ist. In der gleichen Woche hat der gute Wagner, Mahler und dann drei Tag den „groovigen“ Bernstein dirigiert. Das hält jung 🙂 Die Bilder sind nicht besonders gut – aber das Hörerlebnis war ganz große Weltklasse!

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Ja, und dann ist da ja auch noch der GERMAN-Christmas-Market – immer noch… Und nun musste ich es einfach mal probieren. Deutscher Glühwein in England – ein Fehler. Denn für 4,50 Pfund der teuerste Glühwein meines Lebens und dafür nicht besonders gut. Aber immerhin die halbe-Meter-Bratwurst war erfolgreich:

 

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Augustina, meine Kommilitonin, konnte nicht widerstehen beim Karussell und somit fand der Abend noch einen rasante Ausklang:

Tag 76-82: University Carol Service / Ausflug nach Tenbury

Die Blog-Einträge wurden wieder weniger in den letzten Tagen, denn es war viel los in der letzten Woche. Mit dem University Carol Service haben wir am Montag Weihnachten in der Uni eingeläutet. Die Great Hall, also unsere Harry Potter Aula wurde mit gut 1500 Zuhörern gefüllt und es war ein großes Fest!IMG_2304.JPG

Nach der ersten englischen Erkältung und den letzten Chorproben vor Weihnachten mit unseren Chören, durften wir dann am Wochenende einem wunderschönen verschneiten Ausflug nach Tenbury beiwohnen.

Tenbury ist ein wirklich kleines Dorf mit einer sehr interessanten Geschichte. Denn im 19. Jahrhundert hat man hier – in the middle of nowhere – eine riesige Kirche gebaut und eine Schule und qualifiziert Chorknaben auszubilden. In den 1970er wurde die Schule geschlossen und seither gibt es keine regelmäßigen Choral-Services. Daher fährt die University of Birmingham jedes Weihnachten dorthin um ein Wochenende mit Carol Service, Evensong und Sonntagsgottesdienst zu gestalten. Hier steht eine sehr beeindruckende Henry Willis & Sons Organ

 

Hier noch ein kleiner „Leckerbissen“ meine beiden Tenor-Kollegen zur rechten haben in der Schluss-Hymne Hark, the herald ein hohes a rausgepresst – unglaublich. Wir sprechen vom descant a der Oberstimme!

Am Donnerstagabend im Pub scherzte noch einer meiner englischen Kollegen: „Peter, you will not see snow in Birmingham“. Tja, und heute wurde dann unser Evensong abgesagt wegen zu viel Schnee! So kann es gehen. Es ist wunderschön hier im ohnehin schon verschlafenen Tenbury – aber jetzt bewegt sich gar nichts mehr. Nur noch Schnee überall! Wir konnten noch nicht mal unseren Weg zur Kirche schaffen heute morgen und daher leider nicht im Gottesdienst singen… Tja, so hatten wir dann ein wunderbares Frühstück bei unsere Gast-Mutter und ließen den Tag langsam angehen. IMG_2353.JPG

Gut 15 cm Schneedecke hatten wir bereits am Mittag, woraufhin unser Evensong für den Abend abgesagt wurde. Das Auto einer Sängerin aus dem Chor ist sogar so eingeschneit, dass wir nicht mir hier loskommen… „Sehr wunderbar“, wie mein Kollege Ben das beschreibt!

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Mit dem gemieteten Mini-Bus ging es dann also nochmal zum Pub in Tenbury für eine kleine Stärkung und dann ab zurück nach Birmingham! Hier in England kann ich auch öffentlich den wunderbaren Christmas jumper von Hedda anziehen, denn die tragen alle verrückte Weihnachts-Klamotten!

Fröhlichen zweiten Advent zusammen!IMG_2324.JPG

Tag 75: University Women’s Chorus Concert

Eine völlig neue Erfahrung für mich, Konzert mit einem Frauen-Kammerchor. Und zwar mit einem absolut hochkarätigen Chor; denn unser Frauenchor hat im vergangenen Jahr einen bedeutenden nationalen Kammerchor-Wettbewerb gewonnen und wird dieses Jahr wieder an einem Wettbewerb teilnehmen.

Es ist schon außergewöhnlich, was die etwa 40 Sängerinnen gestern geleistet haben. Ein komplettes Konzertprogramm wurde in den vergangenen Wochen auswendig gelernt und in 5 verschiedenen Chor-Aufstellungen und Beleuchtungen haben die Mädels dann ihr Programm mit Klavier, zwei Geigen und Harfen zum Besten gegeben.

Mein Part war es eine zeitgenössische Komposition von James McCarthy mit dem Chor einzustudieren und zur Aufführung zu bringen. Als teil unseres Masters haben wir diverse öffentliche Auftritte mit den verschiedensten Chören abzulegen, dieses war also der erste Teil davon. Ich versuche in den kommenden Tagen hier ein Video einzustellen. McCarthy ist ein aufstrebender Komponist hier im Lande, der in erster Linie Filmmusik komponiert hat – aber auch ein interessantes Bühnenwerk zu der „Enigma“ mit dem Titel „Codebraker“.

Neben einer kleinen Auswahl aus Britten’s „Ceremony of Carols“ (ein Pflichtstück für Frauenchöre auf der ganzen Welt) gab es eine extrem interessantes Ave Maria von Cecilia McDowell und natürlich ein Stück von Edward Elgar, Snow für Frauenchor und zwei Geigen – ein ganz wunderbares Stück Frauenchormusik.

 

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Tag 74: Rossini „Petite Messe Solenelle“

Am Samstagabend war es dann endlich soweit; die „Petite Messe“ des Opernkomponisten Gioachino Rossini stand ihrer Aufführung durch den University Chorus unter der Leitung von uns drei Studenten nahe.

Nachdem wir am vormittag mit den Solisten geprobt hatten, war bereits abzusehen, dass die Aufführung klasse werden kann. Unsere vier Vokalhelden, allesamt ehemalige Studenten unserer Uni, hatten die notwendige opernhafte „Dramatik“ für das Stück und füllten den Konzertsaal klanglich sehr gut aus (besonders der Tenor zeigte seine Heldenhastigkeit sehr gerne oberhalb des hohen g…)

Ein kleiner Höreindruck von der Generalprobe könnt ihr hier finden:

 

Da die Messe 1863 von Rossini komponiert wurde, also in seiner letzten Schaffensphase etwa 30 Jahre nach seiner letzten Opernkomposition, wird das Werk oft als Rossini’s wichtigste Komposition angesehen. Die Messe steht ihren äußeren Ausmaßen und auch dem Namen nach in der Tradition der Missa solemnis, wurde aber dennoch vom Komponisten ironisch mit dem Attribut petite („klein“) bedacht. Rossini schreibt dazu in einer ironischen Widmung an den „lieben Gott“: „hier ist sie, die arme kleine Messe. Ist es wirklich heilige Musik (musique sacrée) oder doch vermaledeite Musik (sacrée musique)? Ich bin für die Opera buffa geboren. Du weißt es wohl! Ein bisschen Können, ein bisschen Herz, das ist alles. Sei also gepriesen und gewähre mir das Paradies.“

Es ist schon eine besondere Komposition, mit extrem langen Fugen und sich immer wieder wiederholenden Modulationen, glänzt aber durch seine extravagante Besetzung mit zwei Klavieren und Harmonium. Von Rossini selbst stammt auch noch eine spätere Orchestrierte Fassung und die sparsame Version für ein Klavier und Harmonium.

Für den Chor stellten die beiden großen Fugen „Et Vitam“ und „Cum sancto“ eine wahre Herausforderung – handelt es sich ja beim University Chorus um einen ganz normalen „Laienchor“. Die 168 Sänger haben sich aber extrem gut geschlagen und das Publikum tobte nach unserer ausverkauften Aufführung.

Es zeigt sich nach dieser Aufführung, dass es manchmal „passender“ ist solche Werke im Konzertsaal und nicht in der Kirche zur Aufführung zu bringen. Gerade wenn man sich dann noch mit Rossini’s ironischer Widmung auseinandersetzt: sacrée musique?

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Tag 70-73: Christmas Carols & Rossini

Allüberall weihnachtet es und gleich drei völlig verschiedene Carols-Programm darf ich in den diversen Chören kennen lernen. Am kommenden Montag werden wir mit unserem Spitzen-Kammerchor „BUS“ den University-Carol Service gestalten, eine der wichtigsten Veranstaltungen des Jahres mit mehr als 1000 Besuchern.

In England liebt man die Tradition, und immer denn es Weihnachten wird begeht man die Carol Services an vielen Orten im Vorbild der „Nine Lessons and Carols“ Kings College Cambridge gefeiert. Eine wunderbare meditative Feier, die seit 1918 quasi den gleichen Ablauf hat. In folgendem Vidoe eine aktuelle Aufnahme aus Cambridge:

Da Julian, der Dirigent des University-Chorus, eine OP hat, werden wir drei morgen die Petite Messe Solenelle von Rossini in der Originalfassung für zwei Klaviere und Harmonium dirigieren. Ich freue mich sehr darauf den 168-Sänger starken Chor dirigieren zu dürfen.