Tag 74: Rossini „Petite Messe Solenelle“

Am Samstagabend war es dann endlich soweit; die „Petite Messe“ des Opernkomponisten Gioachino Rossini stand ihrer Aufführung durch den University Chorus unter der Leitung von uns drei Studenten nahe.

Nachdem wir am vormittag mit den Solisten geprobt hatten, war bereits abzusehen, dass die Aufführung klasse werden kann. Unsere vier Vokalhelden, allesamt ehemalige Studenten unserer Uni, hatten die notwendige opernhafte „Dramatik“ für das Stück und füllten den Konzertsaal klanglich sehr gut aus (besonders der Tenor zeigte seine Heldenhastigkeit sehr gerne oberhalb des hohen g…)

Ein kleiner Höreindruck von der Generalprobe könnt ihr hier finden:

 

Da die Messe 1863 von Rossini komponiert wurde, also in seiner letzten Schaffensphase etwa 30 Jahre nach seiner letzten Opernkomposition, wird das Werk oft als Rossini’s wichtigste Komposition angesehen. Die Messe steht ihren äußeren Ausmaßen und auch dem Namen nach in der Tradition der Missa solemnis, wurde aber dennoch vom Komponisten ironisch mit dem Attribut petite („klein“) bedacht. Rossini schreibt dazu in einer ironischen Widmung an den „lieben Gott“: „hier ist sie, die arme kleine Messe. Ist es wirklich heilige Musik (musique sacrée) oder doch vermaledeite Musik (sacrée musique)? Ich bin für die Opera buffa geboren. Du weißt es wohl! Ein bisschen Können, ein bisschen Herz, das ist alles. Sei also gepriesen und gewähre mir das Paradies.“

Es ist schon eine besondere Komposition, mit extrem langen Fugen und sich immer wieder wiederholenden Modulationen, glänzt aber durch seine extravagante Besetzung mit zwei Klavieren und Harmonium. Von Rossini selbst stammt auch noch eine spätere Orchestrierte Fassung und die sparsame Version für ein Klavier und Harmonium.

Für den Chor stellten die beiden großen Fugen „Et Vitam“ und „Cum sancto“ eine wahre Herausforderung – handelt es sich ja beim University Chorus um einen ganz normalen „Laienchor“. Die 168 Sänger haben sich aber extrem gut geschlagen und das Publikum tobte nach unserer ausverkauften Aufführung.

Es zeigt sich nach dieser Aufführung, dass es manchmal „passender“ ist solche Werke im Konzertsaal und nicht in der Kirche zur Aufführung zu bringen. Gerade wenn man sich dann noch mit Rossini’s ironischer Widmung auseinandersetzt: sacrée musique?

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